Kopf eines Dadophorus (Fackelträger)

Musée Unterlinden

Place Unterlinden
68000 COLMAR

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+33(0)3 89 20 15 50

Öffnungszeiten
Mittwoch – Montag 9–18 Uhr
Dienstag geschlossen
1. Donnerstag im Monat 9–20 Uhr
1.1., 1.5., 1.11., 25.12 : geschlossen
24.12 und 31.12 : 9–16 Uhr

Auf Daniel Specklins Karte von 1576 wird zwischen Biesheim und Kunheim ein heute verschwundenes Dorf namens Ödenburg verzeichnet. Es wurde auf einer römischen Siedlung errichtet, deren bedeutende Relikte im späten 18. Jahrhundert noch gut sichtbar waren. Im 19. Jahrhundert kam es immer häufiger zu Zufallsfunden, und die ersten Grabungen wurden in den 1960er Jahren durchgeführt. Im Rahmen eines 1998 einsetzenden umfassenden Forschungsprogramms wurden archäologische Strukturen auf einer Fläche von mehr als 25 Hektar freigelegt. Bereits 1974 wurde ein Tempel entdeckt, der als ein dem orientalischen Gott Mithra geweihtes Heiligtum identifiziert werden konnte. Unter dem Einfluss der Händler und vor allem der aus dem Orient zurückgekehrten Legionäre breitete sich dieser Mysterienkult ab dem 2. Jahrhundert im gesamten römischen Westreich aus. Nur Männer durften an den Kulthandlungen teilnehmen und konnten die sieben Initiationsstufen des Mithraismus durchlaufen.

Die Zeremonien wurden in einem meistens unterirdisch angelegten Tempel abgehalten, dessen streng kodifizierte Architektur aus einer Vorhalle (Pronaos) und einem Kultraum (Cella) bestand, den nur die Gläubigen betreten durften. An den Längsseiten befanden sich Bänke aus gestampfter Erde, auf denen die Gläubigen lagerten. Wie in allen Mithräen befand sich am Ende des Raums eine Nische mit einem großen Steinrelief, auf dem Episoden aus dem Leben des Mithras dargestellt waren. Im Mittelpunkt stand die bedeutendste Szene des Kults, in der Mithras einen Stier tötet, dessen Blut ihn unsterblich macht. Dabei wird der Gott von zwei Fackelträgern flankiert, den sogenannten Dadophoren. Der eine hebt seine Fackel in Richtung des Himmels, womit er die aufgehende Sonne, also das Leben symbolisiert; der andere senkt sie nach unten, Symbol der untergehenden Sonne und damit des Todes.

Aufgrund der gelockten Frisur und der konischen Kopfbedeckung in Form einer phrygischen Mütze konnte der 1974 in der Tempelruine gefundene Kalksteinkopf zweifelsfrei als der eines Fackelträgers identifiziert werden.

 

Referenz

Kalkstein

Jahr

Römische Zeit, 2. bis 3. Jahrhundert nach Chr.

Format

Höhe 12,5 cm

Status

Biesheim (Departement Haut-Rhin), „Oedenburg“, Grabung 1973-1974

Tête de dadophore