Geschichte des Museums

Das Musée Unterlinden stellt sich vor (1853-2015)

Mit einem vom Architekturbüro Herzog & de Meuron gestalteten Neubau, dessen resolut moderner Stil sich in die mittelalterliche Architektur einfügt, stellt die Erweiterung des Musée Unterlinden als ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Museums dar.

Der Besucher, der beim Betrachten der Sammlungen durch das Kloster schlendert, registriert die unterschiedlichen Etappen einer mehr als 150jährigen Geschichte. Sowohl die Gemäuer als auch die Kunstwerke zeugen von dem dynamischen Wirken der Schongauer-Gesellschaft, jenes Vereins, der das Museum seit 1853 verwaltet.

Am 3. April 1853 wird das Musée Unterlinden offiziell eröffnet. Neben dem Mosaik aus dem 3. Jahrhundert, das 1848 in Bergheim entdeckt wurde, und antiken Gipsabgüssen werden Werke gezeigt, die in der Französischen Revolution beschlagnahmt worden waren, so Grünewalds Isenheimer Altar und der Domonikaner-Altar von Martin Schongauer.

Am 3. April 1853 wird das Musée Unterlinden offiziell eröffnet. Neben dem 1848 in Bergheim entdeckten Mosaik aus dem 3. Jahrhundert zeigt es Kunstwerke wie den Isenheimer Altar und den Dominikaner-Altar von Martin Schongauer, die während der Französischen Revolution beschlagnahmt worden waren.

Bei der Eröffnung beschränken sich die Räumlichkeiten des Museums auf die Kapelle, in der ein großer Teil der Sammlungen ausgestellt ist. Bald aber bieten die hohen Wände des Langhauses und des Chores nicht mehr genügend Platz, so dass die Kunstwerke ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach und nach das gesamte Kloster erobern.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert und im Lauf des 20. Jahrhunderts werden mehrere Umbauarbeiten im Museum durchgeführt, um seine Räumlichkeiten den museographischen Standards anzupassen und den immer zahlreicheren Besuchern den notwendigen Komfort zu bieten:

  • Einrichtung des sogenannten „Salle de la cheminée“, in dem „elsässische Kuriositäten“ gezeigt wurden;
  • Einrichtung des „Salle Théophile Klem“ mit Werken aus der Stiftskirche St. Martin;
  • Einrichtung des „Salle Fleischhauer“ im Gedenken an den Vorsitzenden der Schongauer-Gesellschaft, die den archäologischen Sammlungen gewidmet ist;
  • 1973-1974 wird eine bedeutende unterirdische Erweiterung (450 m2) durchgeführt, um die Sammlungen moderner Kunst präsentieren zu können.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts muss das Museum die modernen Kunstwerke regelmäßig abhängen und im Depot lagern, um Raum für Wechselausstellungen zu schaffen. 2003 wird das Stadtbad geschlossen und dem Museum zur Verfügung gestellt. Damit kann eine ambitionierte Erweiterung mit einer vollständigen Umstrukturierung der Sammlungen geplant werden. 2009 wird ein internationaler Architektenwettbewerb gestartet. Das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron erhält den Zuschlag.

Für das Musée Unterlinden erarbeitete das Büro ein architektonisches und museografisches Projekt, wobei es sich ebenfalls Gedanken über seine städtebauliche Dimension machte. Grundlegendes Prinzip war die Wahrung des historischen Werdegangs des mittelalterlichen Klosters in Verbindung mit einem zeitgenössischen Neubau hinter dem Stadtbad, der durch eine unterirdische Passage mit dem Kloster verbunden wird.

Mit dem Neubau, dessen Volumen dem der Kapelle entspricht, schufen die Architekten eine Symmetrie im Raum hinter dem Stadtbad. Der Garten am Stadtbad erscheint als Pendant des Klostergartens.

Das Projekt von Herzog & de Meuron umfasst ebenfalls eine städtebauliche Dimension. Der Platz zwischen Stadtbad und Kloster ist zu einem belebten Ort in der Stadt geworden, dessen Attraktivität durch die Offenlegung des Sinn-Kanals und die Neugestaltung der Böschungen noch gesteigert wird. Dieser Platz wird durch das Kleine Haus geprägt, das eine wichtige Drehpunkt-Funktion in der städtebaulichen Gestaltung des Ortes einnimmt. Seine großen Öffnungen bieten einen Einblick in die unterirdische Galerie, die das Kloster mit dem Stadtbad verbindet. Die Formen des kleinen Gebäudes erinnern an das Eingangsgebäude zum Ackerhof, dem alten Klosterbauernhof.

Schließlich nahmen die Architekten auch eine museografische Neuordnung der Sammlung vor, deren Ausstellungsfläche sich durch die Erweiterung verdoppelt hat. Die alte Kunst ist im Kloster untergebracht, während die moderne Kunst in den neuen Flügel eingezogen ist.