Studientag Otto Dix – „Trau deinen Augen“
28. – 29. 11. 2016

logo_dfkAnlässlich des 125. Geburtstags von Otto Dix und der 500. Jährung der Entstehung des Isenheimer Altars untersuchte die Ausstellung Otto Dix – Isenheimer Altar (8.10.2016 bis 30.1.2017) als erste große Präsentation moderner Kunst des neu eröffneten Musée Unterlinden den Einfluss des spätmittelalterlichen, 1512 bis 1516 entstandenen Meisterwerks von Matthias Grünewald auf das Schaffen von Otto Dix (1891–1969).
Im Rahmen der Ausstellung veranstalteten das Musée Unterlinden und das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris in Colmar einen Studientag zu Otto Dix und seinem Werk.

Einführung
Frédérique Goerig-Hergott, Ausstellungskommissarin und Chefkonservatorin
Ausstellungen mit Werken des Künstlers Otto Dix sind selten in Frankreich und auch in den staatlichen französischen Museen finden sie kaum statt. Die Ausstellung in Colmar, die Dix‘ Schaffen unter dem Einfluss des Isenheimer Altars beleuchtete, war eine Art Retrospektive – vom Beginn seiner expressionistischen Phase um 1910 bis zu seinem Tod im Jahr 1969. Sie beleuchtete vor allem die am wenigsten bekannte Schaffensphase des Künstlers, die seiner letzten 30 Lebensjahre.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Werke von Otto Dix aus den Museen entfernt und er selbst wurde seines Lehrstuhls an der Dresdner Kunstakademie, den er seit 1927 innehatte, enthoben. Dix beschloss, in Deutschland zu bleiben, zog sich aber in die innere Emigration am Bodensee zurück.

Dort malte er scheinbar „harmlose“ Bilder, die es ihm aber ermöglichten, seinem Gefühl der Ausgrenzung und Unterdrückung Ausdruck zu verleihen (Landschaftsbilder mit von Moos überwucherten oder vom Blitz getroffenen Bäumen, Jakobs Kampf mit dem Engel, die Versuchung des Heiligen Antonius), oder sich mit den dargestellten Figuren zu identifizieren (Der Heilige Christophorus, Johannes auf Patmos, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, der Heilige Antonius).

Nach dem Krieg kam Otto Dix zehn Monate in das Gefangenenlager der Alliierten bei Colmar (1945-1946). Seinen Lehrstuhl in Dresden erhielt er nach seiner Freilassung nicht zurück. Auch die Berühmtheit, die er vor 1933 genoss, erreichte er nie mehr.

Erst sehr spät wurde ihm eine gewisse Anerkennung zuteil, die sich aber bis heute vor allem auf seine expressionistische Schaffensphase, seine Werke über den Ersten Weltkrieg oder die der Neuen Sachlichkeit beschränkt.

Der Großteil seiner späteren Werke ist fast gänzlich unbekannt, obwohl gerade diese auf drastische Art und Weise den geschichtlichen Kontext zeigen, seine persönliche Lebenssituation und die Situation Deutschlands unter den Nationalsozialisten, seine Erfahrungen als Kriegsgefangener, Deutschland in Trümmern und das Grauen des Holocaust [Otto Dix, Ecce Homo II mit Selbstbildnis hinter Stacheldraht, 1948, Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm, Museum Ludwig, Köln]. Werke aus dieser Zeit lagern unsichtbar in den Depots der Museen oder sind Teil privater Sammlungen. Sie werden kaum gezeigt, obwohl sie, hinter dem Ausdruck des universellen Leidens, die unerschütterliche Hoffnung auf Erlösung in sich tragen.

Die Ausstellung im Musée Unterlinden, die den permanenten Einfluss von Grünewald auf Otto Dix unterstrich, bot die Möglichkeit, die Bedeutung der Werke aus dieser vergessenen Schaffensphase von Otto Dix aufzuzeigen.

Im Rahmen des Studientags, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris veranstaltet wurde, wollten wir das Werk von Otto Dix unter neuen Gesichtspunkten beleuchten, und zwar anhand neuester Arbeiten von Forschern und Kunsthistorikern. 160 Personen nahmen am Eröffnungsabend teil, etwa 100 Personen verfolgten die Vorträge am zweiten Tag. Eine besondere Freude war es, dass wir Jan Dix, den Sohn des Künstlers, begrüßen durften. Das große Interesse des Publikums, das Engagement der Referenten und die angenehme Atmosphäre machten den Studientag zu Ehren von Otto Dix zu einem vollen Erfolg.

Maldadadix – Otto Dix und der Dadaismus
Maldadadix – Otto Dix et le dadaïsme

Birgit Schwarz, Universität Wien

Die Frauen des Otto Dix: Zwischen Universalität und Indivdualität. Jenseits des Typischen (1920–1933)
Les femmes d’Otto Dix : entre universalité et individualité. Au-delà du type (1920–1933)

Mathilde des Bois de la Roche, Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Von Jägern und Heiligen. Otto Dix’ Zeichnungen im Chemnitzer Gästebuch von Otto Köhler Anfang der 30er Jahre
Des chasseurs et des saints. Les dessins d’Otto Dix dans le livre d’or d’Otto Köhler à Chemnitz au début des années trente
Gitta Ho, Deutsches Forum für Kunstgeschichte Paris/ Musée Unterlinden, Colmar

Otto Dix’ illustrierte Meisterschaft
La maestria illustrée d’Otto Dix

James A.Van Dyke, University of Missouri

Die Kinderbücher von Otto Dix
Les livres pour enfants d’Otto Dix

Marie Gispert, Université Paris I Panthéon-Sorbonne

Tradition als Option – Otto Dix’ Landschaftsmalerei (1933–1945)
Tradition comme option – la peinture de paysage d’Otto Dix (1933–1945)

Ina Jessen, Universität Hamburg

Ein dionysischer Maler. Der Einfluss von Friedrich Nietzsche auf das Werk von Otto Dix
Un peintre dionysaque. L’influence de Friedrich Nietzsche sur l’oeuvre d’Otto Dix

Flavien Le Bouter, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg i. Br./ EHESS, Paris

Das Unheimliche: Dix’ neusachliche Malerei und El Greco
La frayeur : les peintures de la Nouvelle Objectivité d’Otto Dix et El Greco

Sarah Leinweber, Leuphana Universität Lüneburg

Dix und die klassizistische Tradition. Eine Spurensuche zwischen Altmeisterlichkeit und Romantikrezeption
Dix et la tradition classiciste. La recherche de traces entre le style des anciens maîtres et la réception romantique

Christian Drobe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Restaurierung des Porträts von Julius Bahle und dessen Bildttechnik im Vergle ich zu der »Madonna vor Stacheldraht«
La restauration du portrait de Julius Bahle et la comparaison de la technique picturale de cette oeuvre avec celle de la « Madone aux barbelés »

Carole Drake Juillet, Restauratorin der Direction des Musées de France/ restauratrice agréée de la Direction des Musées de France

Vergleiche hinken. Von Grünewald zu Otto Dix über die Lektüre von Max Doerner; Präzisionen über die Mischtechnik und ihre Geschichte
Comparaison n’est pas raison. De Grünewald à Otto Dix en passant par la lecture de Max Doerner; une précision sur la technique mixte et son histoire

Daniel Schlier, Haute école des arts du Rhin HEAR, Strasbourg/Mulhouse