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Mittelalter

Das Musée Unterlinden besitzt eine herausragende Sammlung mittelalterlicher Kunst. Den Grundstock bilden die Werke, die während der Französischen Revolution in den Kirchen und Klöstern der Colmarer Region beschlagnahmt wurden. Anhand dieser Werke lässt sich die Entwicklung der Kunst des späten Mittelalters und der Renaissance in den oberrheinischen Gebieten verfolgen. Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurde dieser alte Bestand durch bedeutende Ankäufe bereichert.

Die oberrheinischen Künstler

Im Gefolge der «Internationalen Gotik», die sich um 1400 in Europa entwickelt und deren wichtigste Stilmerkmale fließende Linien und elegante Gesten sind, bildet sich gegen 1450 eine neue Strömung in der rheinischen Kunst heraus, die sich durch eine realistische und gleichzeitig einfühlsame Darstellungsweise auszeichnet. Zu dieser Zeit gehört die Region zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Die oberrheinischen Künstler der frühen Neuzeit arbeiten in Straßburg, Colmar, Freiburg im Breisgau oder Basel (die Gründung der Stadt Karlsruhe erfolgte erst später, d.h. im 18. Jahrhundert). Ihre Aufträge bringen zahlreiche Reisen mit sich.

 

 

Die oberrheinische Schule, die Anregungen von der flämischen Kunst aufnimmt, ist bemerkenswert einheitlich. Zahlreiche Holztafeln und farbig gefasste Schnitzskulpturen (Marien- und Heiligenkult) dokumentieren ihre Produktivität vom ausgehenden Mittelalter bis zur Renaissance.

 

 

Die Werke der Internationalen Gotik erkennt man an den zarten Silhouetten auf Goldgrund(Kreuzigung, um 1410). Ihnen folgen intimer aufgefasste Gemälde (Stauffenberger Altar, um 1460, früher in der Kirche der Antoniter von Isenheim, gestiftet vom Vogt von Ruffach, Hans Erhard Bock von Stauffenberg). Das Gesicht der Jungfrau zeigt verhaltenen Schmerz: Tränen laufen ihr über die Wangen.

 

 

Der Passionsaltar von Caspar Isenmann (1465) stand früher im St.Martinsmünster zu Colmar. Die Figuren sind expressiv bis hin zur Grimasse, die Episoden wirkungsvoll inszeniert. Auf der Tafel Die Gefangennahme Christi sind zwei Szenen zusammengefasst: der hl. Petrus erhebt sein Schwert, um dem Wächter das Ohr abzuhauen, während Christus dem verletzten Soldaten das Ohr bereits wieder zurückgibt.

 

Das Musée Unterliden besitzt eine herausragende Sammlung mittelalterlicher Kunst. Den  Grundstock bilden die Werke, die während der Französischen Revolution in den Kirchen und Klöstern der Colmarer Region beschlagnahmt wurden. Anhand dieser Werke lässt sich die Entwicklung der Kunst des späten Mittelalters und der Renaissance in den oberrheinischen Gebieten verfolgen. Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurde dieser alte Bestand durch bedeutende Ankäufe bereichert.

Mittelalter
 

Martin Schongauer, Die Verkündigung, Orlier-Altar, um 1470, Öl auf Leinwand (Fichte), Musée Unterlinden, Colmar