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Max Beckmann (1884-1950)

Die kleine Operation

Der Titel dieser Kaltnadelradierung entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn Max Beckmann hat hier eine Folterszene dargestellt.

Der 1884 in Deutschland geborene und 1950 in New York gestorbene Künstler hat die großen Tragödien, die Europa und die Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschütterten, am eigenen Leib erlebt. Keiner hat den Wahnsinn des Krieges, die soziale Krise und die Bestialität der Nazis so eindringlich zu schildern gewusst wie er.

In den Colmarer Sammlungen nimmt Beckmann einen besonderen Platz ein. Aus seiner Korrespondenz geht nämlich hervor, dass er nach einem Aufenthalt in Paris bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1903 oder 1904 in Colmar Halt machte, um den Isenheimer Altar zu sehen, der eine nachhaltige Wirkung auf seine schöpferische Arbeit ausübte. Grünewalds Einfluss und der expressionistische Charakter seines Altars sind in den Werken, die Beckmann unmittelbar nach seiner Reise ausführte, deutlich spürbar. Seine Stiche sind bezeichnend für das Bestreben des Museums, Werke von deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, die in der einen oder anderen Weise mit Frankreich verbunden sind, zu präsentieren.

Max Beckmann (1884-1950)
 

Max Beckmann, Die kleine Operation, 1915, Kaltnadelradierung, Musée Unterlinden, Colmar