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Hans Holbein d.Ä.

Bildnis einer Frau, um 1510

Auch wenn die hier dargestellte Frau bisher nicht identifiziert werden konnte, bleibt dieses Bildnis eines der interessantesten, die der 1524 in Isenheim gestorbene Hans Holbein d.Ä. gemalt hat. Darüber hinaus ist es das einzige Gemälde dieses Künstlers in einer französischen Sammlung. 

Das zwischen 1510 und 1512 gemalte Bildnis ist typisch für den letzten Abschnitt der Spätgotik, in dem Malerei, Baukunst und Skulptur sich den Neuerungen der Renaissance öffnen.  Aus der fast kalligraphischen Darstellung der Träger und Riemen des Korsetts spricht noch die Vorliebe der gotischen Künstler für die Linie. Die leicht zur Seite gewendete Pose und die psychologisch einfühlsame Darstellung dagegen verweisen auf die neuesten Errungenschaften der Renaissance, welche den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellt. Dieses Bildnis besticht ebenfalls durch seine malerischen Qualitäten. So vermischt sich der dunkelgrüne Hintergrund mit dem tiefen Schwarz des Kleides, um das Gesicht mit den spitzen Zügen umso mehr hervorzuheben. 

Bisher stand Hans Holbein d.Ä. meistens im Schatten seines berühmten Sohnes. Aufgrund seiner hohen ästhetischen Qualität fordert dieses Bildnis zu einer neuen Würdigung der Rolle auf, die der ältere Holbein in der Entwicklung der deutschen Kunst spielte. 

Hans Holbein d.Ä.
 

Hans Holbein d.Ä., Bildnis einer Frau, um 1510, Öl au Leinwand, Musée Unterlinden, Colmar