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Historischer Überblick

Geschichte des Klosters der Dominikanerinnen von Unterlinden

Seine Bekanntheit verdankt das Museum vor allem dem Isenheimer Altar, einem Meisterwerk der westlichen Kunst. Die Sammlungen sind im ehemaligen Dominikanerinnenkloster untergebracht, das im 13. Jahrhundert gegründet wurde. 1230 beschließen zwei adelige Witwen, Agnes von Mittelheim und Agnes von Hergheim, sich an einen Ort namens «Unterlinden» zurückzuziehen und dort eine religiöse Gemeinschaft zu gründen. 1245 treten sie dem Orden der Dominikanerinnen bei; 1252 beginnen sie mit dem Bau des Klosters. 1269 segnet Albertus Magnus den Chor der Kapelle ein. Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelt sich das Unterlinden-Kloster zu einem Zentrum christlicher Mystik in der Rheinebene. Im Zuge der Französischen Revolution geben die Nonnen das Kloster auf. 1792 gehen die Gebäude in den Besitz der Stadt Colmar über und werden als Militärkaserne genutzt.

 

Geschichte des Musée Unterlinden und der Schongauer-Gesellschaft

Mit der Revolution nimmt die Säkularisierung der Kirchengüter ihren Lauf. Bereits 1789 tragen einige Colmarer Kunstliebhaber und Gelehrte auf Anraten der revolutionären Behörden Sorge dafür, dass die Gebäude wie auch die Kunstwerke vor der Zerstörungswut der Revolutionäre geschützt werden. Zwei Kommissare, der Bibliothekar Jean-Pierre Marquair und der Künstler Jean-Jacques Karpff, tragen die Werk zusammen, die im Collège national (heute Lycée Bartholdi) zu Colmar aufbewahrt werden.

Als die alten Klostergebäude Mitte des 19. Jahrhunderts vom Abriss bedroht sind, unternimmt Louis Hugot (1805–1864), Archivar und Bibliothekar der Stadt Colmar, den Versuch, sie zu retten, indem er sie einer neuen Bestimmung zuführt. 1846 gründet er einen Gelehrtenkreis mit dem Ziel, ein Kupferstichkabinett und eine Zeichenschule einzurichten, «um den Geschmack und den Sinn für das Schöne zu fördern».  Dieser Kreis, der sich ab 1847 Schongauer-Gesellschaft nennt, übernimmt ebenfalls die Verwaltung der während der Französischen Revolution beschlagnahmtenKunstwerke. Die Schongauer-Gesellschaft fordert die Stadt auf, «dieses Denkmal in ein Museum für antike Gipsabgüsse, Gemälde und Stiche zu verwandeln». 1848 gibt ein spektakulärer archäologischer Fund einen weiteren Impuls zur Entstehung des Museums: Ein in Bergheim entdecktes gallo-römisches Mosaik wird in der Kapelle des Unterlinden-Klosters deponiert. 1852 werden die Werke des Revolutionsmuseums in die alten Klostergebäude transportiert. Am 3. April 1853 wird das Museum eröffnet. Es präsentiert der Öffentlichkeit einen Bestand aus Skulpturen und Tafeln, die vornehmlich aus der Antoniterpräzeptorei von Isenheim (Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, ein Meisterwerk des Weltkulturerbes, Orlier-Altar von Martin Schongauer, Stauffenberger Altar) oder aus Colmar (Passionsaltar von Caspar Isenmann für die Stiftskirche St. Martin, Dominikaneraltar von einem Künstler aus dem Umkreis des Martin Schongauer) stammen. Von Anfang an als «enzyklopädisches» Museum konzipiert, bewahrt das Musée Unterlinden zahlreiche Sammlungen, die regelmäßig durch Schenkungen und Ankäufe erweitert werden. Zwei Schwerpunkte sind besonders hervorzuheben: die Sammlung alter Kunst vom Mittelalter bis zur Renaissance und die Abteilung für moderne Kunst. 

Historischer Überblick
 

Innenansicht der Unterlinden-Kapelle von Osten nach Westen, vor 1914, Postkarte, Musée Unterlinden, Colmar