Kolloquien

Tradition als Option – Otto Dix’ Landschaftsmalerei (1933-1945)
Ina Jessen

Ina Jessen schloss ihr Master-Studium der Kunstgeschichte 2013 an der Universität Hamburg ab. Ihre Thesis Rückzug in die Landschaft – Otto Dix in der „Inneren Emigration“ wurde als beste Abschlussarbeit des Jahres 2013 (Kunstgeschichtliches Seminar, Universität Hamburg) ausgezeichnet. Seit 2014 ist sie als Promotionsstudierende der Universität Hamburg zugelassen. Der Titel ihrer Dissertation lautet „Ein deutscher Maler. Otto Dix und der Nationalsozialismus“, in der Ina Jessen Dix’ Schaffen im Kontext der deutschen Kulturpolitik 1933-1945 analysiert. Von 2012 bis 2014 war sie Kuratorin der Dieter Roth Foundation; 2013 und 2014 wissenschaftliche Assistentin von Prof. Françoise Forster-Hahn (University of Riverside, CA). 2014 und 2015 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle Entartete Kunst an der Universität Hamburg. Seit 2014 ist sie Kuratorin der auf Landschaftsdarstellungen (Grafik und Gemälde) spezialisierten Sammlung Hans Holtorf (Flensburg). In den Sommersemestern 2015 und 2016 hatte Ina Jessen folgende Lehraufträge an der Universität Hamburg inne: „Provenienzforschung in Hamburg“, „Dieter Roth – Leben und Werk“ und „Drucktechniken in der Kunstgeschichte“. Im Anschluss war sie Stipendiatin am Getty Research Institute, Los Angeles.


Zusammenfassung des Beitrags, der im Rahmen einer von Ina Jessen vorbereiteten Dissertation veröffentlicht werden wird

Das vorliegende Abstract spiegelt in Auszügen das Dissertationsvorhaben „Ein deutscher Maler – Otto Dix und der Nationalsozialismus“ von Ina Jessen wider, in dem die Landschaft als eine der Hauptgattungen im Werk von Otto Dix zwischen 1933 und 1945 mit dessen zeitgenössischen Einflussfaktoren verknüpft und somit herausgestellt wird, welche gesellschaftspolitische Relevanz ihr zuzuschreiben ist.

Um 1933 fand ein frappierender Wandel im Oeuvre des Malers Otto Dix statt. Entgegen seines populären, veristischen Schaffens zur Zeit der Weimarer Republik schuf der Künstler bis 1944/1945 eine Vielzahl von Landschaftsdarstellungen, deren Erscheinung zunächst an vedutenähnliche Abbildungen erinnert.

Bildkompositorische wie auch semantische Charakteristika implizieren signifikante Parallelen wie auch Dissonanzen zu Landschaftsdarstellungen aus Renaissance, Klassizismus und Romantik. In Assoziation mit dem spezifischen Motivrepertoire resultieren hieraus oftmals entrückte Kompositionen und düstere Bildstimmungen, welche an die neusachliche Detailgebundenheit und Ausdrucksstärke der 1920er Jahre erinnern.

Im Kontext mit den qualitativen und quantitativen Besonderheiten des Landschafts-Oeuvres steht dessen Entstehungsursache. Wenngleich der Künstler im April 1933 aufgrund seiner als ›unsittlich‹ beurteilten Arbeiten aus dem Professorenamt in Dresden entlassen, zahlreichen Diffamierungen durch die NS-Presse ausgesetzt und etwa im Zuge der Ausstellung „Entartete Kunst“ verfemt worden war, emigrierte er nicht ins ausländische Exil. Dennoch verließ der Maler seine Wahlheimat Dresden und verlegte seinen Lebensmittelpunkt weg von der Großstadt hin in die ländliche Abgeschiedenheit – zunächst nach Randegg, schließlich nach Hemmenhofen.

Im Forschungsfokus steht daher das künstlerische Schaffen im kausalen Zusammenhang mit den zeitgenössisch kulturpolitischen und biographischen Einflüssen – inwiefern sich dieser Komplex in Dix’ Motiv und Ikonographie manifestiert, beschreibt eine Kernfrage des Dissertationsvorhabens.