Kolloquien

Maldadadix – Otto Dix und der Dadaismus
Birgit Schwarz

Birgit Schwarz studierte von 1975 bis 1984 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Kirchengeschichte an der Universität Mainz; 1984 Promotion mit einer Dissertation über „Johannes Schreiter: Das glasbildnerische Werk von 1959 bis 1980“; 1985-1986 wissenschaftliches Volontariat an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe; 1986-1989 Studienaufenthalt in Rom; seither als freiberufliche Kunsthistorikerin erst in Freiburg im Breisgau, dann in Trier und seit 1998 in Wien als Lehrbeauftragte, Kuratorin, Provenienzforscherin und wissenschaftliche Autorin tätig. Zuletzt Durchführung des Forschungsprojekts „„Sonderauftrag Ostmark“. Hitlers Kunstraub- und Museumspolitik in Österreich“ an der Universität Wien in Kooperation mit der Kommission für Provenienzforschung beim Bundeskanzleramt Wien. Zahlreiche Publikationen zu Otto Dix.


Zusammenfassung des Beitrags, der im Rahmen einer von Birgit Schwarz vorbereiteten Publikation veröffentlicht werden wird

Der Vortrag widmet sich der von der Kunstgeschichte bisher marginalisierten Dada-Phase von Otto Dix.

Im Frühsommer 1919 formierte sich in Dresden um den Komponisten und Pianisten Erwin Schulhoff eine Dada-Gruppe, der Dix angehörte und die enge Kontakte zu den Berliner Dadaisten unterhielt. Als Dada-Monteur schuf Dix in den folgenden Monaten „Bilder aus Stoff, Blech, Holz, bewegliche aufklappbare verschiebbare“ (Dix), die verschollen bzw. zerstört sind und nicht im Werkverzeichnis erscheinen, etwa das verschollene interaktive Bewegliche Figurenbild, das er auf der Internationalen Dadamesse in Berlin im Sommer 1920 zeigte. Im selben Jahr kehrte der Dada-Monteur zum Medium Gemälde zurück und legte sich den Ehrentitel „Maldadadix“ zu. In dieser Schaffensphase entstanden Bilder, die Collage-Elemente enthalten und daher als Dada-Werke erkennbar sind. Die Kunstgeschichtsschreibung lässt Dixens Dada-Phase mit ihnen enden.

Doch Dix kehrte 1920 nicht etwa von Dada zur Realität zurück, wie Conrad Felixmüller und ihm folgend viele Autoren seither behauptet haben, vielmehr ist der neue, brutale Realismus Dixens eigenständiger Beitrag zum Dadaismus. Entsprechend verstand er sich weiterhin als Dadaist, wie seine Zeichnung Selbstbildnis als Dadaist von Mai 1921 belegt. Noch im Herbst 1922, als er nach Düsseldorf übersiedelte, ließ er sich mit dem programmatischen Artikel „Der Dadaist (Otto Dix)“ in die dortige Kunstszene einführen.

Die Gründe für die Marginalisierung des dadaistischen Impulses auf das Werk von Otto Dix liegen zum einen in der Zerstörung vieler seiner Dada-Werke, zum andern in der negativen Rezeptionsgeschichte des Dadaismus, der als nihilistische Anti-Kunst vom Publikum abgelehnt wurde. Entsprechend suchten Kunsthistoriker nach alternativen Bezeichnungen, um den radikalen Realismus für ein bürgerliches Publikum hoffähig zu machen, fanden Begriffe wie „Verismus“ oder klebten ihm das Etikett „Neue Sachlichkeit“ auf.