Porträt Anne

Traditionell wird Nicolas de Staël der abstrakten Malerei zugeordnet. Das Gemälde, mit dem er in den Sammlungen des Musée Unterlinden vertreten ist, lässt jedoch eine Rückkehr zur Figuration erahnen. In den Jahren 1949-51 erreicht die Abstraktion im Schaffen des russisch-französischen Künstlers einen Höhepunkt. Nach dem visuellen Schock, den ein Fußballspiel 1952 im Pariser Parc des Princes auslöst, vollzieht er eine Rückkehr zur figurativen Darstellung, wie das 1953 ausgeführte Porträt Anne bezeugt. Auf dem Bild erkennt man nur die Silhouette von Anne, der 1942 geborenen Tochter des Künstlers aus seiner ersten Ehe mit der Malerin Jeannine Guillou, deren Tod 1946 ihn untröstlich zurücklässt. In diesem Porträt geht es Nicolas de Staël nicht um die Physiognomie oder die Psychologie des Modells. Er behandelt die Bildfläche wie ein Bildhauer, indem er die Farbe in breiten Flächen mit dem Messer aufträgt. Dank der dadurch erzielten plastischen Wirkung wird die Bedeutung der Farbe noch verstärkt. Das 1960 erworbene Gemälde bereichert die Sammlungen moderner Kunst, die sich auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert.

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