Das Theater des Gérard Philipe

Im Gegensatz zu dem, was der Titel suggeriert, ist das 1975 von Maria Helena Vieira da Silva ausgeführte Werk alles andere als figurativ. Auch wenn man weiß, dass die portugiesisch-französische Malerin mit der Ehefrau des Schauspielers Gérard Philipe befreundet war, kann man das Theater, das dem Bild seinen Titel gibt, in dem architektonisch aufgebauten Liniengeflecht nur erahnen. Durch das subtile Zusammenspiel klar unterscheidbarer Linien und schräger Perspektiven, die dem Bild seine Tiefe verleihen, versucht Vieira da Silva den Ort heraufzubeschwören und gleichzeitig eine innere Bewegung, eine Empfindung auszudrücken. Vieira da Silvas ausgeprägtes Gespür für die Linie hat seinen Ursprung in Bildern der Wirklichkeit (Straßen, Städte, Baugerüste, Hängebrücken), von denen sie fasziniert ist und die sie Schritt für Schritt „klärt“, bis nur noch eine abstrakte Raumdarstellung übrigbleibt. Vieira da Silvas Malerei ist abstrakt wie die Musik, zu der sie eine enge Beziehung unterhält. Die Partitur der Künstlerin besteht nicht aus Noten, sondern aus Rhythmen, Intervallen, plötzlichen Ausbrüchen.

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