Ecce Homo

Dieser Stich, der zu einer Passionsfolge gehört, wird dem Spätwerk Martin Schongauers zugeordnet. Seit den Anfängen des Kupferstichs ist das in mehreren Episoden dargestellte Thema der Passion Christi in Nordeuropa außerordentlich beliebt.

Die Szene des Ecce Homo — wörtlich «Siehe, der Mensch» — schildert die Episode, in der Pontius Pilatus, hier links im Bild, Jesus dem Volk von Jerusalem preisgibt. Im 15. Jahrhundert ist diese Szene deshalb so beliebt, weil sie die Weigerung der Ungläubigen, die Göttlichkeit Christi zu anerkennen, vor Augen führt. Das Gesicht des Henkers rechts ist ausgesprochen grobschlächtig. Er hält das Seil bereit, mit dem er Jesu Hände für die Kreuztragung — das Thema des folgenden Blattes — fesseln wird. Auch dieses Werk ist typisch für Schongauers Stil als Kupferstecher, der sich als feiner Beobachter mit Sinn für das Pittoreske erweist. Der Hund, der sich vor dem Palast des Pilatus niedergelassen hat, mag als Beispiel dafür dienen. Der «flämische» Naturalismus, der die Physiognomien der Henker bestimmt, nimmt spätere Werke von nordeuropäischen Malern wie Pieter Breughel vorweg.

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